Ragnit / Neman

Die rechte Spalte

Mal sehen, wie der Text in der rechten Spalte so läuft, wichtig sind mir hierbei harmonische Abstände und ein gut lesbarer Textfluss.

Burg Ragnit

Tilsits kleine Schwester

Noch als Ruine flößt das mächtige Gemäuer der backsteinerne Komtursburg Ragnit gehörig Respekt ein, von Geist und Macht seiner einstigen Erbauer kündend. 1409 von den Mönchsrittern des Deutschen Ordens auf dem südlichen Hochufer der Memel gegründet, um die Angriffe der Litauer abzuwehren und das unterworfene Land gegen die pruzzischen Ureinwohner zu verteidigen, galt Ragnit neben der Marienburg als stärkste Festung Altpreußens. Nach dem Untergang des Ordensstaates wurde ein Gefängnis draus, berüchtigt in ganz Ostpreußen. Die Redewendung „einen Ragniter machen“ bezog sich auf den finsteren Knast...


Im Sommer 1829 brannte die Burg aus. Übrig blieb eine imposante Backsteinruine mit steil aufragendem Uhrenturm, in den Fugen zwischen den verwitterten Steine sprießt Gras... Vom Burgberg aus, er ragt fast 20 Meter über der Memel auf, hat man eine herrliche Aussicht über das waldige Tal des geschichtsträchtigen Stroms, den die Litauer am anderen Ufer Nemunas nennen. Kilometerweit fliegt der Blick. Auch der Rombynus ist gut zu sehen – der heilige Berg der heidnischen Litauer, auf dem alljährlich im Juni die Mittsommernacht nach alter Sitte gefeiert wird.


Als Stadt hat Ragnit, zwölf Kilometer östlich von Tilsit gelegen und heute wie der Fluss von den Russen Neman genannt, den großen Sprung nie geschafft. Erst 1722 erhielt die kleine Schwester Tilsits Stadtrecht. In dem bis heute sehr beschaulich provinziell wirkenden Städtchen blieben etliche historische Gebäude erhalten und werden nach und nach renoviert. Schön ist der Mühlenteich mit seinem kleinen Park, von den heutigen Bewohnern „Ragniter“ genannt.


Einen wirtschaftlichen Aufschwung verspricht sich die Stadt von dem in der Nähe entstehenden Baltischen Atomkraftwerk. Darum ist in Neman von Protesten gegen den Meiler auch nichts zu spüren. Für das BAES entsteht ein komplett neuer Stadtteil für 12 000 Einwohner – für die künftigen Angestellten des Kraftwerkes, das ab 2018 Strom für die Exklave Königsberg, vor allem aber für den Export nach Westeuropa produzieren soll.